Psychische Belastung IVF-Behandlung

Eine Achterbahn der Gefühle – so könnte man die Reise von der Diagnose Unfruchtbarkeit bis zum eigenen Baby beschreiben. Schlägt man den Weg der künstlichen Befruchtung ein, liegt eine intensive Zeit vor allen Beteiligten. Neben der körperlichen ist auch die emotionale Belastung keineswegs zu unterschätzen. Der Umgang mit Stress und Enttäuschungen ist definitiv nicht einfach. Aber möglich. Denn in modernen IVF-Kliniken gehört die psychologische Betreuung zur medizinischen Behandlung dazu. Die richtige Unterstützung und ein gesunder Selbstschutz sind essentiell auf dem Weg.

Belastungen und Ängste

Schon vor der Fruchtbarkeitsbehandlung haben Paare oft zahlreiche Enttäuschungen hinter sich. Nach der Entscheidung für eine künstliche Befruchtung steht eine intensive Zeit bevor. Ebenso groß wie die Hoffnungen auf ein Baby sind dabei auch die Sorgen und Ängste. Denn mit Fruchtbarkeitsbehandlungen wachsen zwar die Chancen auf das Babyglück, es gibt jedoch keine einhundertprozentige Erfolgsgarantie.

Ängste vor großer finanzieller Belastung, zu hohem Zeitaufwand oder gesundheitlichen Risiken bringen ein enormes Stresspotenzial mit sich. Bei Frauen kommen oft noch starke Selbstzweifel hinzu, verbunden mit Schuldgefühlen und Eifersucht. Die Fragen, warum man ohne medizinische Hilfe kein Baby empfangen kann, warum ausgerechnet man selbst es nicht schafft und warum es anderen gelingt, können erdrückend sein. Auch gescheiterte Befruchtungsversuche empfinden Paare als enttäuschende Niederlage und verbinden damit Versagensängste. Ist die Motivation zu Beginn der Behandlung noch hoch, so nimmt die Erschöpfung mit jedem Versuch weiter zu. Nicht selten fühlen sich Paare dann überfordert und wissen nicht, woher sie die Kraft für einen neuen Versuch nehmen sollen. Hinzu kommen moralische Bedenken über eine Befruchtung auf unnatürlichem Weg mit Eingriff in die Natur.

Individuelle Bewältigungsstrategien

So vielschichtig die Ängste und Stressfaktoren sein können, so zahlreich sind auch die Hilfsangebote und Strategien zu ihrer Bewältigung. Doch an erster Stelle steht immer die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen sowie Ängste zu kommunizieren.

Um die schwierige Zeit zu überstehen, sind folgende Tipps und Strategien hilfreich: Beginnend mit der Auswahl der Klinik sollte ein Paar darauf achten, dass es sich gut aufgehoben fühlt und dem behandelnden Team Vertrauen schenkt. Um Ängsten vor dem Ungewissen und möglichen Zweifeln vorzubeugen, ist eine umfassende Informationsgrundlage wichtig. Habt keine Scheu, sondern lasst euch sämtliche Fragen zum Ablauf, den Risiken und den verschiedenen Möglichkeiten erklären – sowohl vor als auch während der Behandlung. Je mehr Wissen und Vorbereitung, desto besser können Zweifel und Ängste aus dem Weg geräumt werden.

Bereits vor der Behandlung sollten sich Paare eine Aufstellung aller anfallenden Kosten und möglichen Zusatzkosten anfertigen lassen und festlegen, wie viele Versuche finanziell möglich sind. Zu wissen, wo die Grenzen liegen, kann beruhigend wirken. Auch andere Stressfaktoren wie Arbeitgeberwechsel, Umzüge oder längere Fernreisen sind während einer Behandlung nicht sinnvoll.

Neben guter psychologischer Beratung sind auch Freunde und Familie wichtig, um das Geschehene zu verarbeiten. Verstanden werden von Menschen, die man gerne hat und denen man vertraut, kann definitiv helfen. Hingegen sind Zurückziehen und Verstecken vor dem sozialen Umfeld perfekte Nährböden für Ängste und Sorgen. Gleiches gilt auch für den Partner. Der offene Austausch von Erwartungen und Wünschen reduziert Frust, lässt die Hoffnung wachsen und stärkt den Zusammenhalt.

Durchhalten

Leider ist es nicht möglich, während einer Fruchtbarkeitsbehandlung alle Stressfaktoren auszuschalten. Doch mit einer guten Vorbereitung kann die Belastung minimiert werden. Mit dem Wissen, dass man nicht alleine ist, lässt sich die Behandlung besser verkraften. Das Wichtigste ist, seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht runterzuschlucken. Und egal wie das Ergebnis ist, der Versuch ist mutig und zählt!

Hält man sein Baby in den Armen, sind ohnehin alle Sorgen und Ängste vergessen.